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Der Verein „Freunde Worpswedes”
hat eine lange Tradition, er wurde 1903, also vor über 100 Jahren, als „Verschönerungsverein” gegründet. Die damals in der Satzung festgeschriebenen Aufgaben bestehen heute noch: „ ... die Eigenart der Worpsweder Landschaft und des Dorfes zu bewahren und zu pflegen, der Verein ist der künstlerischen Tradition verpflichtet und fördert kulturelle Bestrebungen.” Nur die Lösung dieser Aufgaben hat sich erschwert und wird heute
anders verfolgt als um 1900.

Ein Sonntag am Weyerberg Heinrich Vogeler, „Ein Sonntag am Weyerberg”,
Postkarte für den „Verschönerungsverein”, 1904

Im Jahre 1981 urteilte Bundespräsident Karl
Carstens noch: „Der Verein der Freunde
Worpswedes ist also eine spezifizierte aktive
Bürgerinitiative, im guten Sinne des Wortes
eine Nebenregierung, mit der Rat und Verwal-
tung rechnen müssen und können.” Doch
beginnend schon in den 70er und verstärkt in den letzten 10 Jahren haben sich die Rahmen-
bedingungen für die Arbeit der „Freunde” er-
heblich verändert. Die innerörtliche Entwicklung
ist gekennzeichnet durch die Ausweitung des
Geschäfts mit dem Tourismus, dessen Folgen
nicht nur positiv sind, sowie eine rege Bau-
tätigkeit. Parallel dazu ist der Verlust von
historischer Bausubstanz, von Freiflächen und
für Worpswede so typischen Durchblicken auf
Wiesen und Felder zu beklagen.
Die Steuerung dieser Prozesse durch Bürger-
initiativen wie in der Nachkriegszeit ist heute
unmöglich geworden. Durch Bildung der Samt-
gemeinde (1971) bzw. der Großgemeinde
Worpswede (1974) haben sich die politischen
Gewichte verschoben. Der Gemeinderat hat
nicht nur die Interessen der alten Ortschaft
Worpswede, sondern auch die der „Außen-
dörfer” zu berücksichtigen.

Unter dem Diktat leerer Kassen drohen neue
Gefahren, wie die Ansiedlung von weiteren
Supermärkten und der Zubau und die Versie-
gelung von Landschaft.
In den Anfangsjahren hat der Verein unter dem
damaligen Vorsitzenden Heinrich Vogeler sich
intensiv in die Planung der Bremervörde-
Osterholzer Eisenbahn einschalten können,
Vogeler entwarf u. a. auch den Worpsweder
Bahnhof.
In den Nachkriegsjahren wurde der inmitten
Worpswedes gelegene Weyerberg, eine 56
Meter hohe Sanddüne von uns gerettet, indem
wir den Stopp des industriellen Sandabbaus
erzwingen konnten. Ebenso konnten wir die
Errichtung des Naturschutzgebietes „Breites
Wasser” in unmittelbarer Nähe Worpswedes
erreichen und einen geplanten Bombenab-
wurfplatz der NATO im Teufelsmoor und einen
großen Freizeitpark verhindern. Dies geschah
mit erheblicher Bürgerbeteiligung. Der Barken-
hoff, das ehemalige Wohnhaus von Heinrich
Vogeler, konnte vor dem Abbruch bewahrt
werden. Heute unvorstellbar, daß das Gelände
mit Einfamilienhäusern bebaut werden sollte.

Mit der Pachtung des Worpsweder Bahnhofs
nach Einstellung des fahrplanmäBigen Zug-
verkehrs und seiner vollständigen Restau-
rierung begann eine neue Ära: die Konzen-
tration auf Einzelobjekte. So konnten wir die
Worpsweder Windmühle vor dem Abbruch
bewahren nach mehrfachen Instandsetzungen
sie langfristig in unsere Obhut nehmen.
1994 haben wir ein weiteres Baudenkmal
käuflich erworben: die Käseglocke ein rundes
Wohnhaus aus dem Jahr 1926, nach Plänen
von Bruno Taut errichtet. Nach jahrelangen
Restaurierungsarbeiten konnte mit finanzieller
Hilfe der Bezirksregierung Lüneburg und der
„Deutschen Stiftung Denkmalschutz” und
erheblicher Eigenleistung durch ehrenamt-
lichen Einsatz des Vorstandes und der Mitglie-
der das Haus fertig gestellt und 2001 als
Baudenkmal und Museum für angewandte
Kunst aus Worpswede eröffnet werden.
Heute ist die Käseglocke in dem vielfältigen
Angebot an Galerien und Sehenswürdigkeiten
eine besondere Attraktion mit großem
Besucherinteresse.

(Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen,
3/2003)


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